Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des „Angstsparens“. Nachdem wir im vergangenen Jahr bereits Franz Müntefering auf eine spannende Exkursion ins bunte Reich der Tiere begleiten durften, haben Politiker und einige Voodoo-Ökonomen seit einiger Zeit einen weiteren Schuldigen für die deutsche Malaise ausgemacht: den Konsumenten. Der nämlich, anstatt seinen staatsbürgerlichen Pflichten nachzugehen und den Schlager „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“ zu seinem Lebensmotto zu machen, nimmt sich unpatriotischerweise die Frechheit heraus, sein Geld lieber zu horten. Daran, dass wir Exportweltmeister sind, so die wohlbekannte Argumentation dieser Tage, sähe man doch, dass Deutschland keine Strukturprobleme hätte. Unser Problem sei vielmehr, dass wir die eigene Lage so über alle Maßen schlecht reden, dass es irgendwann tatsächlich jeder glaubt, woraufhin die Bürger in Angstpsychosen verfallen und sich an jeden Cent klammern. Die Warnungen der Griesgrame und Miesepeter würden so zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Die beste Wirtschaftspolitik müsste demnach wohl in der Zwangsverabreichung von Glückshormonen bestehen. (mehr…)
Die Mär von Onkel Dagoberts Erben - Über die falsche Angst vor dem „Angstsparen“624
Sprache als spontane Ordnung255
Daß natürlich gewachsene Sprachen das Ergebnis einer kulturellen Evolution sind, weitestgehend ohne das Einwirken obrigkeitlicher Befehle entstanden und somit bestens auf die Kommunikationsbedürfnisse der Sprecher abgestimmt sind, wird von vielen staatlichen und staatsnahen Sprachhütern natürlich nicht gerne eingesehen. Zu groß ist die Versuchung, sich ein Betätigungs- und Regulierungsfeld auf Kosten der Steuerzahler zu erschließen, auch wenn die Ergebnisse dann - gelinde gesprochen - sehr fragwürdig wird, wie man anhand der französischen Anti-Anglizismus-Gesetzgebung sowie der Neuen Rechtschreibung sehen kann. (mehr…)
Die negative Elite der Schulversager109
ungekürzte Fassung des in eigentümlich frei (Nr. 62 Mai 06) veröffentlichten Interviews.
Interview mit Karin Pfeiffer-Stolz
Die 1948 geborene Pädagogin, Unternehmerin und Autorin zahlreicher pädagogischer Schriften ist eine streitbare Verfechterin einer leistungsbezogenen Pädagogik jenseits staatlicher Gängelung. Im von ihr geführten Stolz-Verlag wurden nicht nur zahlreiche Lernhilfen veröffentlicht, sondern auch ihre Bücher zu bildungspolitischen Themen. Die in Düren und Salzburg lebende Karin Pfeiffer-Stolz ist zudem als Verfasserin zahlreicher Streitschriften gegen die Neue Rechtschreibung bekannt geworden. „Eigentümlich frei“ befragte Karin Pfeiffer-Stolz zum maroden deutschen Schulsystem und zur Bildungsbürokratie.
ef: Frau Pfeiffer-Stolz, in Berlin hat die erste Schule aufgegeben: Die Schüler seien ununterrichtbar geworden. Worauf führen Sie dieses Schulversagen zurück? (mehr…)
Tocqueville, Amerika und die Freiheit117
Der 16. April 2006 ist der 147. Todestag von Alexis de Tocqueville. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir die Übersetzung eines einleitenden Texts des französischen Historikers Eric Cunat:
Alexis de Tocqueville wurde im Jahre 1805 geboren. Er war Jurist im Frankreich der Restauration (1827). Unmittelbar nach der Juli-Revolution von 1830 begibt sich Tocqueville auf eine Studienreise in die noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika, um einen Bericht über das amerikanische Strafsystem zu verfassen, welches damals als das fortschrittlichste der Welt galt.
Zusammen mit seinem Freund Gustave de Beaumont sollte Tocqueville dann innerhalb von neun Monaten sehr viel mehr studieren als das Strafsystem. Nach seiner Rückkehr schreibt er „De la démocratie en Amérique“ (Über die Demokratie in Amerika), ein Werk, das ihn berühmt macht. Zum ersten mal stellt ein französischer politischer Denker einen expliziten Bezug zwischen Freiheit und Amerika her. (mehr…)
Koch-Mehrin immer radikaler2
Silvana Koch-Mehrin, EU-Abgeordnete der FDP, macht Fortschritte bei der Liberalogenese. In einem Interview mit der Financial Times Deutschland vom 4.4.2006 zitiert sie Milton Friedmans Free-Lunch-Erkenntnis, gibt sich zudem als Fan von Jagdish Bhagvati und Otto Graf Lambsdorff aus und verweist auf das Niedrigsteuerland Irland als Modell für Deutschland. Das macht Lust auf mehr. Vielleicht ist sie ja dann bei der übernächsten WM so weit, Miltons Sohn David zu bevorzugen und als Model für Deutschland das alte Hong Kong oder gar Liechtenstein vorzuschlagen. Und vielleicht wird im Jahre 2010 Somalia Fußball-Weltmeister, nachdem der Titel 2006, wie von Koch-Mehrin vorausgesagt, von der Elfenbeinküste geholt wird.
Gegen die Mühlen der Solarjustiz218
Am 6. Januar 2006 veröffentlichte Libertaria ein Interview mit Deutschlands bekanntestem Solarkritiker, Rainer Hoffmann, über die solare Propaganda in den staatlichen Medien. Aufgrund der großen Resonanz von Menschen, die ähnliche Erfahrungen mit Solaranlagen gemacht haben wie Rainer Hoffmann, aber auch von entrüsteten Solarfreunden, haben wir noch einmal nachgehakt und wollten diesmal von Rainer Hoffmann wissen, welche Erfahrungen mit der deutschen Justiz er bei seinem Kampf gegen die Solarlobby gemacht hat. Um den Streit über den Nutzen der Sonnenenergie auch von der Gegenseite aus zu beleuchten, hatte Libertaria auch den profiliertesten Solarfreund Deutschlands, Franz Alt, um ein Interview gebeten. (mehr…)
Wien und Chicago - zwei Wege nach Rom881
Innerhalb des libertär-liberalen Lagers kämpfen seit langem zwei ökonomische Schulen um die Meinungsführerschaft. Auf der einen Seite steht die Chicago School mitsamt den zahlreichen aus ihr hervorgegangenen, wie den Supply Siders und der Public Choice-Schule, auf der anderen Seite steht die Österreichische Schule. Da die „Austrians“ zweifellos die konsequenteren Marktwirtschaftler sind, gelten sie gerade vielen Libertären oft automatisch als die „besseren Liberalen“. Ganz angebracht ist das nicht, denn in den vergangenen Jahrzehnten war es die Chicago School, die die größeren Verdienste in der Verbreitung marktwirtschaftlicher Ideen für sich reklamieren konnte. Beide Schulen zerfallen jeweils in eine Hauptlinie und verschiedene Seitelinien, die sich oft deutlich voneinander unterscheiden. Auf diese einzugehen würde hier den Rahmen sprengen. In einer vereinfachten Betrachtung soll trotzdem die Frage angeschnitten werden, welche Schule in welchen Bereichen ihre Vorzüge hat. (mehr…)
Wolfgang Sofsky: Der Politik mißtrauen4
Mit deutlichen Worten kritisiert der Göttinger Soziologieprofessor Wolfang Sofsky in einem Essay in der Welt am Sonntag vom 12.03.2006 den allgegenwärtigen Staat und den Bürger, der sein Heil von einem solchen Staat erwartet. Mit klaren Worten umschreibt Sofsky die libertäre Erkenntnis, daß Politik nicht die Lösung, sondern das Problem ist:
Die beste Regierung ist diejenige, welche gar nicht regiert. Politische Freiheit erschöpft sich nicht in der Chance der Mehrheit, aus den Kandidaten der Allerweltsparteien turnusgemäß Amtsträger auszuwählen. (mehr…)
Bhagwati gegen Neoprotektionismus24
Jagdish Bhagwati, Professor an der Columbia University in New York, hat in einem von der Welt am Sonntag übersetzten und am 12.03.2006 veröffentlichten Artikel den grassierenden Neoprotektionismus der EU und der USA kritisiert, der sich kürzlich vor allem durch das Affentheater um den geplanten Kauf US-amerikanischer Häfen durch Dubai sowie um die geplante Arcelor-Übernahme durch Mittal Steel manifestiert hat. Dabei bricht Bhagwati eine Lanze für den freien Handel: (mehr…)
Gerard Radnitzky verstorben103
Gestern, am 11.03.2006, verstarb der libertäre Wissenschaftstheoretiker und Beirat der Zeitschrift “eigentümlich frei“, Gerard Radnitzky im Alter von 85 Jahren. Radnitzky wird im engsten Verwandtenkreise in Luxemburg beigesetzt werden.
Radnitzky arbeitete zuletzt an seiner Autobiographie “Das verdammte 20. Jahrhundert. Erinnerungen und Reflexionen eines politisch Unkorrekten”, die voraussichtlich im April 2006 erscheinen und unter anderem über den Buchhandel Capitalista erhältlich sein wird.
Aus Anlaß des Todes von Radnitzky hat der Herausgeber von “eigentümlich frei”, André Lichtschlag, einen Text des habilitierten Trierer Philosophiedozenten und Mitarbeiters des Brüsseler Thinktanks CNE, Hardy Bouillon, über Gerard Radnitzky, der zuerst in ef-intern erschienen war, auf dem Freiheitsforum veröffentlicht.



